Messdaten
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link_enob
link_schule
Energetische Sanierung einer Erfurter Typenschule in Plattenbauweise
demo-best_erfurt Adresse: Langer Graben 19, 99092 Erfurt
Bauherr: Stadt Erfurt, Schulverwaltungsamt
Antragsteller: Stadt Erfurt, Amt f√ľr Bildung
Ansprechpartner: Stadt Erfurt,
Amt f√ľr Grundst√ľcks- und Geb√§udeverwaltung,
Karl M√ľlders

 

 

Projektbeschreibung

 

Allgemeine Daten
Projektadresse Friedrich-Ebert-Schule
Staatliche Regelschule 8
Langer Graben 19
99092 Erfurt
Deutschland
Baujahr 1974
Sanierungszeitraum 1995-1997
Bruttogeschossfläche 4.134 m²
Anzahl der
Sch√ľler / Lehrer
173
Anzahl der
Klassenzimmer
---
Standard-
Klassenzimmer
Klassenzimmer:
50,40 m² (7,2 x 7 m)
Fachraum:
77 m² (11 x 7 m)
Beheizte Netto-
grundfläche
(EBF - Energiebe-
zugsfläche)
3.944 m² [2]
A/V 0,37 1/m
b01_sued-west ansicht
S√ľd-West-Ansicht der
Friedrich-Ebert-Schule

Projekt√ľbersicht
Bei dieser Schule handelt es sich um eine standardisierte Schule in Plattenbauweise der Serie WBS 70 der ‚ÄěErfurter Schultypen‚Äú. Die Sanierung dieser Schule in Plattenbauweise sollte die Grundlage f√ľr Sanierungen weiterer Typenschulen schaffen, da viele dieser Schulen aufgrund schlechter Bauausf√ľhrung und fehlender Wartung einen √ľberdurchschnittlich hohen Energieverbrauch aufweisen.
Deshalb legte man gro√üen Wert auf die Bandbreite der eingesetzten Ma√ünahmen, erprobte verschiedene Varianten f√ľr die Bel√ľftung und Beleuchtung und f√ľhrte umfangreiche Begleitforschung mit Validierungsmessungen bis 1999 durch. Die Arbeiten wurden dabei gr√∂√ütenteils unter laufendem Schulbetrieb realisiert.
Die Schulsanierung wurde vom Bundesministerium f√ľr Wirtschaft und Technologie gef√∂rdert und erhielt 2000 den Th√ľringer Energiesparpreis.

Umgesetzte Maßnahmen
Es wurden folgende Maßnahmen umgesetzt:
- Dämmung der Fassade, Gefälledämmung im Dach und Perimeterdämmung im Erdreich
- Wärmeschutzverglasung
- verschiedene dezentrale L√ľftungsvarianten
- Tageslichtkonzept beinhaltet Lamellen zur Lichtlenkung und reflektierende Flächen, sowie eine Neugestaltung der Fassaden in den Treppenhäusern

 

Lage

b02_lage-erfurt
Standort der Schule in Deutschland
Breitengrad 51 ¬įN
L√§ngengrad 11 ¬įO
H√∂henlage 195 m √ľber NN
Mittlere Jahrestemperatur 7,9 ¬įC
Mittlere Wintertemperatur (Oktober - April) 3,0 ¬įC
Klima - Beschreibung Klimazone TRY:
9 Chemnitz

Gebäudetyp / Baujahr
Die Erfurter Regelschule wurde 1974 in Plattenbauweise gebaut.
Gebäudetyp Baujahr
vor 1910 1910-1930 1930-1950 1950-1970 1970-1990 nach 1990
Dorfschule
Mehrgeschossige
Schule
Mittelflur-Schule
Seitenflur-Schule
Pavillon-Schule
Hallen-Schule
Zentral-Schule
Kammform-Schule
Offenes-Konzept-Schule
Cluster-Schule
Sonstige X

 

Gebäude

Die Erfurter Regelschule ist in drei Geb√§udeteile unterteilt. Es gibt ein 4-geschossiges Hauptgeb√§ude (Trakt 1) mit den Normalklassen, einen 3-geschossigen Verbindungstrakt (Trakt 2), der als Pausenraum genutzt wird, sowie ein Fachraumgeb√§ude (Trakt 3). Zudem befindet sich auf dem Schulgel√§nde eine Sporthalle, die allerdings in dieser Sanierung nicht ber√ľcksichtigt wurde.

Der Hauptteil der Fassade des Geb√§udes war aus dreischichtigen Platten mit Beton¬≠wetterschale, D√§mmung und tragende Betonschale aufgebaut, nur f√ľr die Verkleidung des Verbindungstrakts wurden zementgebundene, asbesthaltige Leichtbauplatten verwendet. In den Randbereichen und an innenliegenden St√∂√üen bildeten sich aufgrund Fertigungsungenauigkeiten Bausch√§den, und damit gr√∂√üere W√§rmebr√ľcken aus. Die Holzrahmenfenster mit Isolierverglasung waren aufgrund fehlender Wartung zum gro√üen Teil nicht mehr bedienbar [2].
Die Schule heizte mit Fernw√§rme √ľber 5 Heizkreise im Zweirohrsystem. Dabei wurden die einzelnen Radiatoren manuell geregelt, wodurch es zu √úberw√§rmung/Unterk√ľhlung der einzelnen Klassenzimmer kam.
Die Klassenzimmer wurden √ľber Fenster bel√ľftet, in Fachr√§umen, im K√ľchenbereich und in den Toiletten waren teilweise Wand- und Dachl√ľfter im Einsatz.
Die Belichtungssituation war durchweg kritisch. Die Normalklassen des Hauptgeb√§udes wurden jeweils √ľber 2 Fenster an der Nordseite, sowie 3 Oberlichtfenster an S√ľdseite belichtet. Aufgrund der freien Sitzordnung kam es zu Blenderscheinungen. Abhilfe schafften dunkle Vorh√§nge, wodurch wiederum Kunstlicht erforderlich wurde. Zus√§tzlich kam es in diesen R√§umen durch solaren Eintrag zu einer staken √úberw√§rmung im Sommer. Die Fachr√§ume besa√üen Fensterb√§nder auf der k√ľrzeren Raumseite mit Ausrichtung nach West oder Ost. Dabei wurde die erforderliche Beleuchtungsst√§rke auch bei ausreichendem Tageslichtangebot nur auf dem fensternahen ersten Drittel erreicht und st√§ndige elektrische Beleuchtung war w√§hrend der Nutzung erforderlich. In den Treppenh√§usern konnte kein ausreichender Tageslichtquotient erreicht werden, so dass zus√§tzlich k√ľnstliche Beleuchtung dauerhaft eingeschaltet blieb.

 

Energieeinsparung

Konzept
Es wurde eine gute w√§rmetechnische Sanierung der Geb√§udeh√ľlle angestrebt, ein neues Regelsystem f√ľr die Heizung im Geb√§ude installiert und der Einsatz von Kunstlicht durch Systeme zur optimalen Tageslichtnutzung reduziert.
Verschiedene Varianten bei der L√ľftung sowie bei der Beleuchtung wurden eingesetzt und √ľberpr√ľft, um das angewandte Sanierungskonzept √ľbertragbar zu machen f√ľr die Sanierung anderer Erfurter Regelschulen.

Geb√§udeh√ľllfl√§chen
Der bauliche Zustand des Geb√§udes und der hohe Energieverbrauch erforderten eine w√§rmetechnische Verbesserung der Geb√§udeh√ľlle. Im Rahmen der Sanierung wurde deshalb die Geb√§udeh√ľlle ged√§mmt und die Fenster mit W√§rmeschutzverglasung ausgestattet.
Zum Einsatz kamen eine 10¬†cm dicke mineralische D√§mmung mit mineralischem Putz f√ľr die Au√üenw√§nde, eine Gef√§lled√§mmung im Dach sowie eine Perimeterd√§mmung im erd-anschlie√üenden Bereich. Da die Kellerr√§ume ebenfalls f√ľr schulische Belange genutzt werden, wurde der vorhandene unged√§mmte Kellerfu√üboden aufgenommen und durch einen ged√§mmten ersetzt [2].
Im Verbindungsgeb√§ude wurden die vorhandenen zementgebundenen, asbesthaltigen Leichtbauplatten durch Leichtbau-Sandwichplatten vom Typ ‚ÄěLINIT‚Äú der Firma Linzmeier ersetzt. Diese haben au√üen ein farbig hinterlegtes ESG-Glas, daran schlie√üt sich eine Platte aus druckfester Mineralwolle an mit einer Abdeckung aus Aluminium zum Treppenhaus hin.
Die vorhandenen Fenster wurden durch Holz-Alu-Fenster mit W√§rmeschutzverglasung ersetzt. Diese haben im Nordteil √∂ffenbare Oberlichter. An der S√ľdseite wurden Fenster mit integrierten Sonnenschutzlamellen (Luxaclair) eingesetzt, deren Verschattung zentral gesteuert wird, manuell jedoch auch nachjustiert werden kann. Die Ost- und Westfenster wurden mit au√üenliegenden Lamellenjalousien ausgestattet, die im Oberlichtbereich verstellbar sind [1].

Zusammenstellung der U-Werte der Geb√§udeh√ľllfl√§chen vor und nach der Sanierung
Bauteil U-Wert [W/m²K] Beschreibung
Vorher Nachher
Außenwand 0,61 (T 2)
0,66
0,41 (T 2)
0,23
Trakt 2:
Leichtbau-Sandwichplatten,
ansonsten 10 cm mineralische Dämmung
Fenster 2,9

Nord -1,2

S√ľd - 1,5

Holz-Aluminium-Fenster mit Wärmeschutzverglasung
Nord: öffenbare Oberlichter
Ug=0,9 W/m²K
S√ľd: integierte Sonnenschutz-Lamellen
Ug= 1,3 W/m²K
Dach Vollbeton 0,7 (T 1)
0,34
0,27 (T 1)
0,34
10 cm PS-Gefälledämmung
Hohlbeton 0,48 (T 1)
0,33
0,26 (T 1)
0,33
Kellerdecke Gedämmt 0,59 0,59 (T 1)
0,48
8 cm Perimeterdämmung
Ungedämmt 1,95 1,95 ---

Heizung / L√ľftung / Beleuchtung
Das bestehende Heizsystem wurde erhalten, jedoch wurde eine Einzelraumtemperatur¬≠steuerung installiert. Damit die L√ľftungsw√§rmeverluste durch ge√∂ffnete Fenster reduziert werden, sind die Heizk√∂perventile mit Fensterkontakten verbunden. Dadurch erfolgt ein Schlie√üen der Ventile bei ge√∂ffnetem Fenster.
Ferner kam es zu einer Absenkung der Raumtemperatur von 24¬†¬įC auf 20¬†‚ÄϬ†21¬†¬įC Solltemperatur, in den Verkehrsfl√§chen und Sanit√§rr√§umen begrenzen Thermostatventile die Temperatur auf 18¬†¬įC, au√üerhalb der Nutzungszeit wird eine Absenkung auf 15¬†-¬†16¬†¬įC eingestellt.
Insgesamt gesehen f√ľhrte die Erhaltung der √ľber 15 Jahre alten Heizanlage mit Radiatoren und Leitungssystem zwar zu einer Kostenersparnis, jedoch erh√∂hte sich damit die St√∂ranf√§lligkeit der Heizungsreglung.
Um die Luftqualit√§t nach der Sanierung zu bewerten, wurden in ausgew√§hlten R√§umen Luftwechseluntersuchungen durchgef√ľhrt, bei denen sowohl die Luftwechselrate als auch die CO2-Konzentration bestimmt wurde. Gemessen wurde w√§hrend der Unterrichtsstunden (45 Minuten), um die realen Nutzerbedingungen zu erfassen.
Sechs verschiedene Konzepte zur Realisierung einer kontrollierten Rauml√ľftung wurden untersucht. Alle Konzepte zielten auf eine Verbesserung der Luftqualit√§t ab, sahen aber auf jeden Fall die Unterst√ľtzung durch nat√ľrliche L√ľftung vor [1].

√úbersicht √ľber die getesteten Varianten zu m√∂glichen L√ľftungssystemen
Varianten Raumaufteilung Beschreibung
A 1-


A 2-

A 3-


A 4-

A 5-
L√ľftungsschlitze auf,
Ventilator Stufe 5
(390 m³/h)
L√ľftungsschlitze auf,
Ventilator aus
L√ľftungsschlitze auf,
Ventilator Stufe 3
(120 m³/h)
L√ľftungsschlitze zu,
Ventilator Stufe 3
L√ľftungsschlitze zu,
Ventilator aus
3.11 Fachraum,
2.OG, Ost
FSL-Nachstr√∂mger√§t mit Einwegeventil, ohne L√ľfter;
unterhalb der Fenster, Querl√ľftung mit Abluftventilator
3.15 Fachraum,
2.OG, West
BUG-L√ľftungsschlitze im Querholm, Querl√ľftung mit Abluftventilator im Holmen der Fenster
B 1-


B 2-


B 3-
Alle Fenster zu,
L√ľftungsger√§t Stufe 2
(240 m³/h)
Alle Fenster zu,
L√ľftungsger√§t Stufe 1
(260 bzw. 110 m³/h)
Alle Fenster zu,
L√ľftungsger√§t aus
4.1 Normalklasse,
3. OG, West
FSL-L√ľftungsger√§t 190 AZ mit W√§rmer√ľckgewinnung
4.7 Normalklasse,
3. OG, Ost
SIEGENIA L√ľftungsger√§t AEROTHERM mit W√§rmer√ľckgewinnung
C 1-




C 2-

C 3-
Zwei Oberlichter,
gekippt
(90 x 50 cm,
√Ėffnungsweite
10 cm)
Ein Oberlicht
gekippt
Alle Fenster zu
3.1 Normalklasse,
2. OG, West
Nat√ľrliche L√ľftung
3.8 Normalklasse,
2. OG, Ost
Nat√ľrliche L√ľftung

Folgende Ergebnisse wurden erzielt [1]:

In den Fachr√§umen konnten die hygienischen Anforderungen nach einem Mindestluft¬≠wechsel von 2¬†1/h auch bei voller Ventilatorenleistung (Stufe 5, 390¬†m¬≥/h) und ge√∂ffneten L√ľftungsschlitzen nicht eingehalten werden. Die aus dem Luftwechsel errechneten Volumenstr√∂me liegen im Raum 3.11 demnach bei 385¬†m¬≥/h (Variante A1), 133¬†m¬≥/h (A3) und 106¬†m¬≤/h (A4). Im Raum 3.15 werden L√ľfterleistungen von 438¬†m¬≥/h (A1), 173¬†m¬≥/h (A3) und 128¬†m¬≤/h (A4) erreicht. Der CO2-Gehalt in der Luft steigt w√§hrend des Unterrichts auf √ľber 1500¬†ppm an.
b04_lueftungsvarianten A
Zusammenstellung der erzielten Luftwechsel der
L√ľftungssystem-Varianten A1 bis A5

In den Normalklassenr√§umen, in denen L√ľftungsger√§te mit W√§rmer√ľckgewinnung eingesetzt wurden, wurde im Raum 4.1 bei voller L√ľftungsleistung (Variante B1) ein Luftwechsel von 1,56 pro Stunde (bei einem Luftvolumenstrom von 244¬†m¬≥/h) erreicht, das Ger√§t in Raum 4.7 lag hinter der vom Hersteller angegebenen L√ľftungsleistung (der Volumenstrom lag lediglich bei 152¬†m¬≥/h) und erreichte somit nur einen einfachen Luftwechsel. In der Variante B2 entstanden Volumenstr√∂me von 160¬†m¬≥/h (Raum 4.1, Luftwechsel 1,05fach) und 110¬†m¬≥/h (Raum 4.7, Luftwechsel 0,6fach).
b05_lueftungsvarianten B
Zusammenstellung der erzielten Luftwechsel der
L√ľftungssystem-Varianten B1 bis B3

In den Normalklassenr√§umen mit nat√ľrlicher L√ľftung konnte bei konstant ge√∂ffneten Oberlichtern (Variante C1 mit einem Volumenstrom von 610¬†m¬≥/h) eine Luftwechselrate von 1,22¬†1/h erreicht werden, in der Variante C2 liegt diese noch bei 0,7¬†1/h bei einem Volumenstrom von 105¬†m¬≥/h, w√§hrend bei der Variante C3 der f√ľr das Geb√§ude typische Luftwechsel von 0,2¬†1/h vorliegt. Im Raum 3.8 blieb die CO2-Konzentration unter 0,1¬†Vol%, was allerdings auf die geringe Belegungsst√§rke mit nur 8 Sch√ľlern w√§hrend der Datenerfassung zur√ľckzuf√ľhren ist.
b06_lueftungsvarianten C
Zusammenstellung der erzielten Luftwechsel der
L√ľftungssystem-Varianten C1 bis C3

Damit kann man feststellen, dass der Einsatz der mechanischen L√ľftungsvarianten zwar den Luftwechsel erh√∂hte, die Ergebnisse jedoch genau wie bei den restlichen Varianten nicht den hygienischen Anforderungen zum Luftwechsel gen√ľgen. Zudem werden die Betriebsger√§usche der Ger√§te von den Nutzern als st√∂rend empfunden. Auch der Grenz¬≠wert f√ľr die CO2-Konzentration wird bei der Maximalbelegung von 30 Sch√ľlern pro Raum √ľberschritten.
Geht man jedoch von einer durchschnittlichen Belegungsst√§rke von 20 Sch√ľlern pro Raum aus, erreichen die L√ľftungsvarianten in den Fachr√§umen bei maximaler L√ľfter¬≠leistung ann√§hernd den Wert von 1000¬†ppm an CO2-Konzentration. Zusammenfassend l√§sst sich herausheben, dass bei allen vorgestellten Varianten eine Unterst√ľtzung mit nat√ľrlicher L√ľftung in jedem Fall notwendig bleibt.

Abh√§ngig von Raumgr√∂√üen und Orientierung kamen verschieden Systeme zur Tageslichtnutzung zum Einsatz, die eine gleichm√§√üige Verteilung des Tageslichtquotienten √ľber den gesamten Raum anstreben. Die Systeme beruhen alle auf Verschattung und Lichtlenkung durch Lamellen und verwenden Dreibandlampen mit Leuchten vom Typ 5101 RW/58 (Trilux), welche tageslichtabh√§ngig gedimmt werden.
In den Normalklassen werden in die Scheibenzwischenräume der Wärmeschutzverglasung im Drehwinkel verstellbare Lamellen eingesetzt.
In den Fachr√§umen erweist sich die vollst√§ndige Raumausleuchtung mit nat√ľrlichem Tageslicht w√§hrend der Nutzungszeit aufgrund der West-Ost-Ausrichtung und der Raumtiefe von 11¬†m als schwierig. Auch unter Einsatz lichtlenkender Systeme wird der nat√ľrliche Tageslichtquotient von mind. 1¬†% ab einer Raumtiefe von 4 bis 5¬†m unterschritten. Damit wird k√ľnstliche Beleuchtung vor allem in den hinteren Raumbereichen dauerhaft notwendig, weshalb in diesen R√§umen die Lichtb√§nder getrennt gedimmt werden k√∂nnen. Als lichtlenkende Systeme werden hier gr√∂√ütenteils Jalousien einge¬≠setzt, welche im Oberlichtbereich (knapp 50¬†% der Fensterfl√§che) separat anzusteuernde, au√üenliegende Lamellen besitzen. In einem Fachraum (EG, Westseite) werden anstelle der Jalousien Gro√ülamellen im oberen Fensterbereich eingesetzt, um die M√∂glichkeiten der Lenkung des Zenitlichts im Westteil zu untersuchen, wo w√§hrend der Nutzungszeit kein direktes Sonnenlicht in die R√§ume eindringt. Auch hier wird der erforderliche Tageslichtquotient bereits ab einer Raumtiefe von 5¬†m nicht mehr erreicht. Zudem tritt bei 30¬†%-iger Schr√§gstellung der Gro√ülamellen starke Blendung mit Komforteinbu√üen im fensternahen Bereich auf.
Allgemein gilt, dass die Verschattung der Ostseiten bereits vor Unterrichtsbeginn geschlossen sein sollte, w√§hrend die an der West- und S√ľdseite wiederum auch nach Unterrichtsende geschlossen bleiben sollte.

Die Treppenhäuser werden großflächig verglast.
b07_Skizze Verschattung
Skizze der Verschattungssysteme

 

Verbrauch

Durch D√§mmma√ünahmen konnte der Heizw√§rmebedarf der Schule in der Heizperiode von 143,6¬†kWh/m¬≤a auf 54,3¬†kWh/m¬≤a reduziert werden, was einer 63¬†%-igen Einsparung entspricht. Der j√§hrliche Stromverbrauch konnte vor allem durch eine Sanierung der Beleuchtungsanlagen und der Installation von Systemen zur Tageslichtnutzung im gesamten Schulgeb√§ude von 81,3¬†MWh auf 55,2 MWh verringert werden. Dabei fiel die Anschlussleistung f√ľr die Beleuchtung in den Klassenzimmern von 17,3 auf 8,0¬†W und in den Fachr√§umen von 24,3 auf 10,0¬†W.
Aufteilung der spezifischen Verbrauchswerte bezogen auf die beheizte Nettogrundfläche [1]
Endenergieverbrauch [kWh/m²a]
Vor der Sanierung Nach der Sanierung
Heizung 144,0 54,0
Strom 20,6 14,0

 

 

Nutzerbewertung

Insgesamt wird im Abschlussbericht der Begleitforschung √ľber eine hohe Zufriedenheit der Nutzer bez√ľglich der Sanierungsma√ünahmen berichtet. Abluftger√§te werden jedoch aufgrund hoher Ger√§uschentwicklung oftmals nicht genutzt und auch Verschattungseinrichtungen werden nicht rechtzeitig vor Unterrichtsbeginn heruntergefahren, bzw. zu fr√ľh wieder ge√∂ffnet, was zu sommerlicher √úberhitzung der betreffenden R√§ume f√ľhrt. Zudem werden die Lamellen bei geringer Sonneneinstrahlung oftmals nur waagrecht gestellt anstatt hochgezogen, wodurch weniger Tageslicht in den Raum eindringt und den Gebrauch von Kunstlicht erforderlich macht. Ein erneuter Nutzeraufkl√§rungsbedarf hinsichtlich sinnvoller Voreinstellungen und korrektem Gebrauch der L√ľftungs- und Verschattungsm√∂glichkeiten erscheint deshalb angebracht. Auch auf noch abzustimmende Heizungseinstellung wird hingewiesen, um eine behagliche Raumtemperatur auch in den Normalklassen sicherzustellen [1].

 

Kosten

Position Investitionskosten
[EUR] [EUR/m²]
Wärmeschutz 959.000 243
Heizanlage 179.000 45
L√ľfter 11.000 3
Beleuchtung 264.000 67
Gesamt 2.892.000 733
Aufteilung der Baukosten und spezifischen Baukosten bezogen auf die beheizte Nettogrundfläche [1]
Dabei f√∂rderte das Bundesministerium f√ľr Wirtschaft und Technologie die Investition zu 58%.

 

Zusammenfassung

Empfehlung
Wie immer beim Einsatz technischer Neuerungen ist auf die korrekte Anwendung durch die Nutzer zu achten, um das Energieeinsparpotential voll auszusch√∂pfen. Im Fall der Erfurter Regelschule sollte durch eine erneute Nutzeraufkl√§rung die evaluierten L√ľftungsvarianten verst√§ndlich gemacht und die nat√ľrliche L√ľftung unterst√ľtzende Ma√ünahmen aufgezeigt werden, wie z.¬†B. der Nachtbetrieb der Ventilatoren oder die rechtzeitige Verschattung der Ostfenster bereits vor Unterrichtsbeginn. Auch d euten Lichteinschaltzeiten der fensternahen Beleuchtung in den Fachr√§umen darauf hin, dass die au√üenliegenden Jalousien lediglich waagrecht gestellt wurden und nicht vollst√§ndig ge√∂ffnet. Auch hier sollten die Nutzer eine erneute Unterweisung zum optimalen Umgang mit den Verschattungs- und Lichtlenkungssystemen erhalten.

Mit dieser Sanierung wurde ein Konzept zur energetischen und lichttechnischen Sanierung von Typenschulen erreicht, welches prinzipiell f√ľr alle gleichartigen Schulgeb√§ude genutzt werden kann. Der Heizw√§rmeverbrauch kann durch W√§rmed√§mmma√ünahmen um mehr als 60¬†% reduziert werden. Eine dem Tageslicht angepasste geregelte k√ľnstliche Beleuchtung kann den Stromverbrauch in den Klassenzimmern um bis zu 70¬†% reduzieren. Die L√ľftungsw√§rmeverluste k√∂nnen durch im Fenster eingesetzte dezentrale L√ľftungsger√§te mit W√§rmer√ľckgewinnung reduziert werden. Die L√ľftungsger√§te reichen allerdings zur vollst√§ndigen Bel√ľftung der Klassenzimmer nicht aus und es muss zus√§tzlich √ľber Fenster gel√ľftet werden.

 

Zusätzliche Informationen

Literatur, Quellenangabe
[1] Russ, C. / Kappert, M. / Schindler, H.: Sanierung der Staatlichen Regelschule 8 in Erfurt unter Verwendung von Tageslichtelementen, Abschlussbericht; 2000
[2] BINE-Themeninfo 1/2006: Geb√§ude sanieren ‚Äď Schulen, Sanierungsbeispiel Erfurt

 

Projektpartner

Projektsteuerung Hochbauamt Erfurt, Abteilung Technische Geb√§udeausr√ľstung ( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots gesch√ľtzt! Sie m√ľssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen k√∂nnen. )
Architektur Architekturb√ľro St√ľbgen, Erfurt
Bauphysik Fraunhofer-Institut f√ľr Solare Energiesysteme ‚Äď ISE, Dr. Christel Russ
( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots gesch√ľtzt! Sie m√ľssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen k√∂nnen. )
Anlagentechnik Ingenieurb√ľro f√ľr W√§rme- und Haustechnik P√∂hlmann und Partner, Erfurt
( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots gesch√ľtzt! Sie m√ľssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen k√∂nnen. )
Messprogramm FH Erfurt, Fachbereich Versorgungstechnik. Prof. Dr. Kappert
( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots gesch√ľtzt! Sie m√ľssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen k√∂nnen. )
Lichttechnische Messungen: Uni Karlsruhe, Fachbereich Technischer Ausbau
( Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots gesch√ľtzt! Sie m√ľssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen k√∂nnen. )
F√∂rderung Bundesministerium f√ľr Wirtschaft und Technologie

 

Links

Fraunhofer-ISE, Abschlussbericht-Download:
pfeil-rechts_blau www.ise.fraunhofer.de/veroeffentlichungen/nach-jahrgaengen/2000/sanierung-der-staatlichen-regelschule-08-in-erfurt-unter-verwendung-von-tageslichtelementen/at_download/file

BINE-Projektinfo:
pfeil-rechts_blau www.bine.info/hauptnavigation/publikationen/publikation/gebaeude-sanieren-schulen/beispiel-2-regelschule-erfurt/

Homepage der Friedrich-Ebert-Schule Erfurt:
pfeil-rechts_blau www.erfurter-schulen.de/schulen/rs8/

 

Abbildungsnachweis

Abschlussbericht des Fraunhofer-ISE [1]

 

 

 

 
© 2013
Fraunhofer-Institut für Bauphysik