Messdaten
pfeil-rechts_blauBiberach
pfeil-rechts_blauCottbus
pfeil-rechts_blauDetmold
pfeil-rechts_blauHalle
pfeil-rechts_blauHöhenkirchen
pfeil-rechts_blauHohen Neuendorf
pfeil-rechts_blauMarktoberdorf
pfeil-rechts_blauNeumarkt
pfeil-rechts_blauOlbersdorf
pfeil-rechts_blauOverbach
link_enob
link_schule
3-Liter-Haus-Schule in Olbersdorf

demo-3l_olbersdorf Adresse: Schulweg 13, 02785 Olbersdorf
Bauherr: Verwaltung Landkreis Görlitz
(vormals Landkreis Löbau/Zittau)
Antragsteller: Hochschule Zittau/Görlitz
Ansprechpartner: HS Zittau/Görlitz, Fakultät Bauwesen, Lehrgebiet Bauklimatik,
Prof. Dr. Jens Bolsius, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots gesch√ľtzt! Sie m√ľssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen k√∂nnen.

 

 

Daten und Fakten

 

Allgemeine Daten b01_ansicht von Nord-West
Nord-West Ansicht des Hauptgebäudes
Projektadresse Ehemalige Mittelschule Olbersdorf
Schulweg 13
02785 Olbersdorf
Deutschland
Baujahr 1927/28
Sanierungszeitraum 2008 - 2010
Anzahl der
Sch√ľler
180
Anzahl der
Klassenzimmer
22
Bruttogeschossfläche 5.610 m²
Beheizte
Nettogrundfläche
(EBF - Energiebezugsfläche)
4.439 m²
Beheiztes
Gebäudevolumen
17.880 m³
A/V 0,25 1/m
Luftdichtheit 1,4 1/h
(Zielwert)

 

Projekt√ľbersicht

Das Hauptgeb√§ude des Olbersdorfer Schulkomplexes entstand 1927/28 zusammen mit einer Turnhalle. Das Geb√§ude ist ein Kulturdenkmal im Sinne des s√§chsischen Denkmalschutzes und wurde als ein bedeutendes regionales Beispiel f√ľr den s√§chsischen Schulbau der Weimarer Republik eingestuft.
Zielstellung der energetischen Sanierung der Olbersdorfer Schule ist prim√§r die deutliche Verringerung des Energieverbrauchs auf den sogenannten 3-Liter-Haus-Standard, d.¬†h. die Senkung des j√§hrlichen Prim√§renergiebedarfs f√ľr Beheizung und Bel√ľftung (einschlie√ülich Hilfsenergiebedarf) auf maximal 34 Kilowattstunden pro Quadratmeter Geb√§udenutzfl√§che.
Damit soll die Sanierung zum Musterbeispiel f√ľr zuk√ľnftige Modernisierungsvorhaben im Landkreis werden, der jedes Jahr ca. 3,2 Mio. Euro in den Betrieb und die Erhaltung seiner Schulen investiert.

 

Lage

b02_lage_olbersdorf
Standort der Schule in Deutschland
Breitengrad 50,88 ¬įN
L√§ngengrad 14,77 ¬įO
H√∂henlage 273 m √ľber NN
Mittlere Jahrestemperatur 9,9 ¬įC
Mittlere Wintertemperatur (Oktober - April) 4,3 ¬įC
Klima
(TRY-Referenzstation)
Klimazone TRY 10, Hof

 

Gebäudetyp / Baujahr

Gebäudetyp Baujahr
vor 1910 1910-1930 1930-1950 1950-1970 1970-1990 nach 1990
Dorfschule
Mehrgeschossige
Schule
Mittelflur-Schule X
Seitenflur-Schule
Pavillon-Schule
Hallen-Schule
Zentral-Schule
Kammform-Schule
Offenes-Konzept-Schule
Cluster-Schule
Sonstige

 

Zusätzliche Informationen


Literatur, Quellenangabe

[1] Landratsamt Zittau / HS Zittau/Görlitz, Fakultät Bauwesen: Projektbeschreibung Energetische Sanierung Schulgebäude Olbersdorf
[2] Bolsius, J. / Vogel. L. / Zymek, M.: Zwischenbericht Förderprojekt Energieoptimiertes Bauen; EnEff-Schule: “Energetische Sanierung des Schulkomplexes Olbersdorf bei Zittau“
[3] Winkler, M.: Begleitforschung der Hochschule f√ľr angewandte Wissenschaften M√ľnchen, Fragebogen zur Beurteilung der Einrichtung
[4] Milke, F. / Bolsius, J.: Präsentationen im Rahmen des Symposiums EnEff:Schule in Biberach a. d. Riß am 21.4.2009, Demonstrationsvorhaben 3-Liter-Haus-Schule Olbersdorf
[5] Klimadaten des Deutschen Wetterdienstes, Monatswerte der Station Kempten, www.dwd.de

 

Projektpartner

Projektsteuerung Hochschule Zittau/Görlitz, Fakultät Bauwesen, Lehrgebiet Bauklimatik,
Prof. Dr. Jens Bolsius, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots gesch√ľtzt! Sie m√ľssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen k√∂nnen.
Architektur AIZ ‚Äď Architektur- und Ingenieurb√ľro f√ľr Hoch- und Tiefbau Zittau GmbH,¬†
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots gesch√ľtzt! Sie m√ľssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen k√∂nnen.
Forschung,
Evaluierung,
Energiekonzept
Projektleitung und Energiekonzept:
Hochschule Zittau/Görlitz, Fakultät Bauwesen
Simulation der Raumluftströmung:
TU Dresden, Institut f√ľr Energietechnik, Heizungs- und Raumlufttechnik
Konzept Beleuchtung und Tageslichtlenkung:
TU Dresden, Institut f√ľr Bauklimatik
Simulation des thermischen Verhaltens des Gebäudes und der Anlagentechnik:
TU Dresden; Institut f√ľr Energietechnik, Energiesystemtechnik und W√§rmewirtschaft
Fassadendämmung Vakuum-Dämm-Paneele, Optimierung der Zuluftkastenfenster:
Bauhaus-Universit√§t Weimar, Materialforschungs- und Pr√ľfanstalt
Anlagentechnik

Heizung, L√ľftung:
Ingenieurb√ľro Amthor

Gebäudeleittechnik, Elektrotechnik:
Ingenieurb√ľro Ickrath Land Messner, L√∂bau, Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots gesch√ľtzt! Sie m√ľssen JavaScript aktivieren, damit Sie sie sehen k√∂nnen.
F√∂rderprogramm Bundesministerium f√ľr Wirtschaft und Technologie:
‚ÄěEnergieoptimiertes Bauen, EnEff:Schule‚Äú

 

Links

EnSan Modellprojekte zur energieeffizienten Sanierung: pfeil-rechts_blau www.enob.info/de/forschungsfelder/ensan

Vorträge der Projektsteuerer und Energieplaner im Rahmen des Symposiums EnEff:Schule in Biberach a. d. Riß am 21.4.2009:
pfeil-rechts_blau http://www.eneff-schule.de/index.php/Veranstaltung/Veranstaltung-Allgemein/symposium-eneffschule-biberach-2009.html

 

Abbildungsnachweis

Hochschule Zittau/Görlitz, Fakultät Bauwesen

Architekturb√ľro AIZ, Zittau

 

Ist-Analyse

 

Architektur


Das Hauptgeb√§ude ist ein viergeschossiger Mauerwerksbau mit Satteldach und steht am Hang. Der Hauptzugang von der Stra√üe (West) erfolgt √ľber die Arkaden im 2. Untergeschoss. Der r√ľckw√§rtige Zugang f√ľhrt √ľber den Schulhof ebenerdig in das Erdgeschoss.
b03_lageplan
Lageplan der Gesamtanlage
b05_schnitt
Schnitt durch das Hauptgebäude
Das Dachgeschoss ist ausgebaut, erscheint stra√üenseitig als Vollgeschoss und wurde hofseitig mit lang gestreckten Gauben versehen. Dar√ľber befindet sich ein bel√ľfteter Spitzboden, der nicht genutzt wird.
√úber den Verbindungsgang im S√ľden erreicht man die Turnhalle sowie einen Anbau mit Fachr√§umen.

 

b04_Erdgeschoss-Grundriss
Erdgeschoss-Grundriss des Hauptgebäudes

 

Bauteile
Das Hauptgeb√§ude ist in weiten Teilen als Mauerwerks-Konstruktion mit einer Wandst√§rke von 48 cm ausgef√ľhrt.
Die urspr√ľnglichen Fenster wurden als Kastenfenster ausgebildet. Auf der Stra√üenseite wurde im Zuge fr√ľherer Sanierungsma√ünahmen die √§u√üere Scheibenebene durch ein 2-Scheiben Verbundglas denkmalgerecht erneuert, dabei ist die innere Scheibenebene des alten Kastenfensters entfernt worden.
Zusammenstellung der U-Werte der Geb√§udeh√ľllfl√§chen vor der Sanierung
Bauteil U-Wert [W/m²K] Beschreibung
Außenwand 1,25 51 cm Mauerwerk, Putz
Fenster West 1,70 2-Scheiben Verbundglas
Fenster Ost 2,80 Kastenfenster (Flurbereich)
mit 2-fach Verglasung
Oberste Geschossdecke 1,70 2 cm Wärmedämmung
15 cm Hohlblock-Leichtbeton
5 cm Estrich
Boden 3,5 30 cm Betonplatte
3,09 20 cm Leichtbeton
4 cm Estrich

 

Anlagentechnik
Die W√§rmeerzeugung der Schule erfolgt √ľber zwei Gasheizkessel mit einer maximalen Leistung von jeweils 250-283 kW.
Gel√ľftet wird √ľber Fensterl√ľftung und in das Mauerwerk integrierte Abluftsch√§chte, die typisch sind f√ľr Schulbauten der ersten H√§lfte des vergangenen Jahrhunderts. Diese sind jedoch nur noch in Teilbereichen voll funktionsf√§hig.

b06_grundriss-ausschnitt
In das Mauerwerk integrierte Abluftschächte.

Die lichttechnische Situation in den Unterrichtsräumen ist größtenteils gekennzeichnet durch eine einseitige Befensterung nach Ost oder West, lediglich die Eckräume haben an drei Raumseiten Fenster.
Der Flur- und Eingangsbereich in den unteren Geschossen, sowie der Versammlungsraum werden aufgrund der Hanglage kaum durch Tageslicht belichtet.
b07_klassenzimmer-bestand
Typische Lichtsituation in den Klassenzimmern

 

Energieverbrauch

Hohe Transmissionsw√§rmeverluste der Au√üenw√§nde und der Kastenfenster f√ľhrten 2005/2006 zu einem Heizenergieverbrauch von 765 MWh.

Energie Verbrauch [kWh/m²a]
Endenergie Heizung 122,7
Primärenergie gesamt 174,2

 

 

Schäden und Mängel

 

Die W√§nde des Geb√§udes sind nicht ged√§mmt. Auf der Hofseite des Hauptgeb√§udes sind die urspr√ľnglichen Fenster erhalten und weisen insbesondere im Flurbereich einen erh√∂hten W√§rmedurchgang auf. Die Fenster sind von einem umlaufenden Betongew√§nde umgeben, was die w√§rmetechnische Situation im Winter noch verschlechtert.

b08_thermographie
Anhand einer thermographischen Aufnahme
aufgezeigte W√§rmeverluste der Geb√§udeh√ľlle

Infolge der fehlenden Verschattung kommt es im Sommer bereits vor Schulbeginn auf der Ostseite zu hohen thermischen Lasten. Besonders in den Unterrichtsr√§umen im Dachgeschoss klagen die Nutzer √ľber eine teilweise sogar unzumutbare Arbeitsbedingungen.
Die in das Mauerwerk integrierten Abluftschächte sind nur im Eingangsbereich und teilweise in den Toiletten noch voll funktionsfähig, während sie in den Klassenräumen bei Renovierungsarbeiten größtenteils verschlossen wurden.
Die nat√ľrlichen Lichtverh√§ltnisse sind vor allem im Flur- und Eingangsbereich, sowie im Versammlungsraum und den Unterrichtsr√§umen im Dachgeschoss unzureichend. Die Konsequenz ist eine ganzt√§gige Kunstlichtbeleuchtung.
Auch im Bereich der Turnhalle wird der Fensterflächenanteil als kritisch gering eingestuft.

 

Besonderheiten
Das Geb√§ude ist ein Kulturdenkmal im Sinne des s√§chsischen Denkmalschutzes. Daher muss bei der Suche nach M√∂glichkeiten zur Verbesserungen der D√§mmeigenschaften der Geb√§udeh√ľlle die denkmalsch√ľtzerisch geforderte maximale Aufbauh√∂he der Fassade beachtet werden.

 

Konzept & Umsetzung

 

Durch die Sanierung wird die Schaffung eines lernfördernden Raumklimas anvisiert und zwar durch die Verbesserung der Raumlufthygiene und Raumakustik, sowie die Senkung der sommerlichen Innenraumtemperaturen.
Besonderes Augenmerk wird dabei auf eine denkmalgerechte hocheffiziente W√§rmed√§mmung der Fassade und eine beispielgebende energieeffiziente L√ľftung der Unterrichtsr√§ume gelegt. b09_simulation-lufttemperatur
Simulation der Innenraumtemperaturen

 

Architektur

Im Sinne des Denkmalschutzes wird das Geb√§ude in seiner Erscheinung so wenig wie m√∂glich ver√§ndert. Lediglich im Untergeschossbereich auf der Hofseite werden die Lichtsch√§chte teilweise entfernt und das Gel√§nde abgeb√∂scht, um eine bessere Nutzung des Tageslichts zu erm√∂glichen. Aus dem gleichen Grund werden die Fenster im Dachgeschoss vergr√∂√üert. Im Inneren werden die Grundrisse entsprechend modernen Schulerfordernissen √ľberarbeitet.
Die Freifl√§che √∂stlich des Hauptgeb√§udes wird einer umfassenden Neugestaltung unterzogen. Dabei soll gleichzeitig der Boden f√ľr die Nutzung als Energiequelle von Erdw√§rme √ľber Erdsonden erschlossen werden.

 

Bauteile
Im Bereich der baulichen Substanz wird vor allem eine Verbesserung der D√§mmeigenschaften der √§u√üeren Geb√§udeh√ľlle angestrebt.
Eine aus denkmalsch√ľtzerischer Hinsicht unproblematische Innend√§mmung w√§re aufgrund der entstehenden zahlreichen W√§rmebr√ľcken energetisch ung√ľnstig. Au√üerdem bewirkt eine Innend√§mmung die thermische Abkopplung des massiven Au√üenmauerwerkes. H√∂here sommerliche Innentemperaturen w√§ren die unerw√ľnschte Folge.
b10_wandaufbau-detail
Außenwanddämmung mit Vakuumdämmpaneelen
Als energetisch beispielgebende L√∂sung im Bereich von Niedrigenergie- und Passivh√§usern sollte deshalb vorzugsweise eine Au√üend√§mmung ausgef√ľhrt werden.
Um die denkmalsch√ľtzerischen Anforderungen der maximalen zus√§tzlichen Aufbauh√∂he der Fassade von 6 cm zu erf√ľllen und um gleichzeitig hohe energetische Effekte erzielen zu k√∂nnen, werden f√ľr die Fassadend√§mmung Vakuumd√§mmpaneele vorgesehen.
Diese haben noch keine allgemeine Zulassung und erfordern daher f√ľr die Baugenehmigung eine Zustimmung im Einzelfall.
Zu Testzwecken wird in der Materialforschungs- und Pr√ľfungsanstalt der Bauhaus-Universit√§t Weimar eine Musterwand errichtet. Die f√ľr den Einsatz vorgesehenen Vakuumd√§mmpaneele sind mit einer strapazierf√§higen Ummantelung aus Glasfaserzusatz umgeben, die die Platten vor Besch√§digung sch√ľtzt. Zur Befestigung der Platten wird ein Klebesystem mit Stufenfalz entwickelt, welches ohne den Einsatz von zus√§tzlichen D√ľbeln auskommt, wodurch W√§rmebr√ľcken auch am Sto√ü der Elemente verringert werden. Nach dem die Platten an der Wand aufgeklebt sind, k√∂nnen sie verputzt werden.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei der Entwicklung eines w√§rmebr√ľcken-reduzierten Fensteranschlussdetails an die Vakuumd√§mmpaneele.
b11_VIP-musterflaeche
Musterfläche mit Oberputz

Des weiteren werden die Transmissionsw√§rmeverluste der obersten Geschossdecke durch eine begehbare W√§rmed√§mmung verringert, die in den Spitzboden √ľber dem Dachgeschoss eingebracht wird.

Zusammenstellung der U-Werte der Geb√§udeh√ľllfl√§chen
vor und nach der Sanierung
Bauteil U-Wert [W/m²K] Beschreibung
Vor der
Sanierung
Nach der
Sanierung
Außenwand 1,25 0,34 7 cm ESP-Dämmung
Fenster West 1,70 0,90 Zuluft-Kastenfenster
elektrochrome Verglasung
Fenster Ost 2,80
Oberste Geschossdecke 1,70 0,22 ---
Boden 3,50 0,36 10 cm Beton
4 cm Estrich
2 cm Vakuumdämmpaneele
3,09 0,32 10 cm Beton
4 cm Estrich
10 cm XPS-Dämmung

 

Anlagentechnik
Neben der Verbesserung der thermischen Geb√§udeh√ľlle wird die anvisierte energetische Einsparung vor allem durch den Einsatz moderner Heizungstechnik und effizienter L√ľftungsstrategien erreicht. Dabei wird vor allem Wert auf wartungsarme Technik in schulalltagstauglicher Ausf√ľhrung gelegt.
Im Rahmen des energetischen Konzepts wird eine Gasabsorptionsw√§rmepumpe geplant, mit Spitzenlastabdeckung durch den Gas-Brennwertkessel. Die Gasabsorptionsw√§rmepumpe koppelt die Nutzung von Erdw√§rme √ľber Erdsonden mit einer im Vergleich zum Brennwertkessel erh√∂hten Ausnutzung des Brennstoffes Gas. Neben einer Senkung des Energieverbrauchs kann so der bisher nur z√∂gerliche Einsatz dieser innovativen Technik gef√∂rdert und diese durch eine qualifizierte messtechnische Begleitung zus√§tzlich optimiert werden.
W√§hrend in den Sanit√§rr√§umen eine konventionelle zentrale Abluftanlage mit Pr√§senzsteuerung eingesetzt wird, wird f√ľr die Unterrichtsr√§ume eine bedarfsangepasste L√ľftung entwickelt, welche weitgehend auf nat√ľrlicher Auftriebswirkung beruht und nur gegebenenfalls durch Ventilatoren mit geringem Elektroenergieverbrauch unterst√ľtzt wird (‚ÄěHybride L√ľftung‚Äú).
b12_simulation-zugluft
Simulation der Innenraumtemperaturen
Daf√ľr wird der Umbau der vorhandenen Kastenfenster und der teilweise mit W√§rmeschutzverglasung erneuerten Fenster in Zuluftkastenfenster vorgenommen. Au√üenluft gelangt √ľber eine √Ėffnung am unteren Rahmen in den Scheibenzwischenraum, erw√§rmt sich, steigt auf und tritt am oberen Fensterrahmen in den Raum ein. Mit der Vorw√§rmung und der Zuf√ľhrung oberhalb der Aufenthaltszone wird das Zugluftrisiko stark vermindert.

Zur Vermeidung von Fehlstr√∂mungen sind zus√§tzliche Winddruckbegrenzer und R√ľckschlagklappen in das Fenster zu integrieren. Bei Erreichen einer festgelegten Au√üentemperatur werden Oberlichter an den Innenfl√ľgeln der Fenster automatisch ge√∂ffnet, wodurch der Volumenstrom zur Raumbel√ľftung erh√∂ht wird.
b13_schema-lueftung
L√ľftungsschema der Unterrichtsr√§ume


Neben diesen Ma√ünahmen zur Einbringung von Frischluft werden verschlossene Abluftsch√§chte wieder aktiviert, so dass verbrauchte Luft weitgehend unter Nutzung des nat√ľrlichen Auftriebs abgef√ľhrt werden kann. Dabei wird ein Abluftventilator unterst√ľtzend eingeschaltet, sobald √ľber einen Sensor eine erh√∂hte CO2- Konzentration gemessen wird. Bei Teil- oder Nichtbelegung des Unterrichtsraumes bleibt der Ventilator au√üer Betrieb. Hierdurch wird gegen√ľber konventionellen Abluftanlagen eine deutliche Einsparung an Elektroenergie f√ľr den Ventilatorantrieb erreicht.

Als prim√§renergetisch neutrale Variante zur sommerlichen K√ľhlung bietet sich in der Schule Olbersdorf eine effektive Nachtausk√ľhlung an. √úber eine entsprechende Nachtl√ľftungsfunktion in der Konzeption des Systems Kastenfenster ‚Äď Abluftschacht ‚Äď Abluftvolumenstromregelung k√∂nnen dabei die vorhandenen Geb√§udemassen aktiviert werden und eine merkliche Absenkung der Raumtemperaturen in gro√üen Bereichen des Geb√§udes erreicht werden. Wenn gleichzeitig durch eine hinreichend wirksame Verschattung der W√§rmeeintrag w√§hrend der Hitzeperioden begrenzt wird, sind behagliche Verh√§ltnisse auch im Sommerhalbjahr ohne weitere Klimatisierungsma√ünahmen m√∂glich. Wesentlich f√ľr die Bauausf√ľhrung ist in diesem Zusammenhang, dass die f√ľr eine lerngerechte Umgebung unverzichtbare Verbesserung der Raumakustik nicht zu einer thermischen Abkopplung des Bauwerkes f√ľhrt.
Im, hinsichtlich der sommerlichen √úberhitzung besonders kritischen, Dachgeschoss soll dies √ľber eine Akustikdecke mit integriertem K√ľhlsystem aus Kapillarrohrmatten erreicht werden.

Zur verbesserten Tageslichtnutzung in der Schule werden die Grundrisse entsprechend modernen Schulerfordernissen √ľberarbeitet, sowie Lamellen-Jalousien in die Scheibenzwischenr√§ume der Kastenfenster integriert, welche die Funktionen Beschattung, Blendschutz und Lichtlenkung √ľbernehmen.
b14_schnitt-lichtschacht
Schnitt durch einen Lichtschacht


b15_lichtschacht
Verspiegelter Lichtschacht zur Verbesserung des Tageslichteintrags

Zudem werden alte Lichtschächte aktiviert bzw. ergänzt.
Diese werden auf der Innenseite mit hochreflektierenden, aluminiumbeschichteten Platten belegt. Damit wird der Tageslichteintrag in die Unterrichtsr√§ume im Dachgeschoss verbessert und auch Bereiche nahe oder unter Niveau des Erdbodens k√∂nnen so nat√ľrlich belichtet werden.


An den Fenstern der östlichen Eckräume ist zudem der Einsatz von elektrochromen Gläsern als Sonnenschutz geplant, um der sommerlichen Überwärmung dieser Räume entgegenzusteuern. Die Kunstlichtergänzungsanlage wird tageslichtabhängig gesteuert, die Abschaltung erfolgt zentral nach Schulschluss am Nachmittag.

F√ľr die Sanierung der Turnhalle wird der Einsatz von D√§mmung, sowie bedarfsangepasster L√ľftung und Beheizung vorgesehen. Da die Turnhalle ganzj√§hrig, auch au√üerhalb der Schulzeit, durch Sportvereine genutzt wird, ergeben sich auch andere Betriebszeiten der haustechnischen Anlagen. Es wird ein Niedertemperaturheizsystem (Fu√übodenheizung) empfohlen, welches √ľber die W√§rmepumpe des Schulgeb√§udes mitversorgt wird. Zudem soll eine Zu- und Abluftanlage mit W√§rmer√ľckgewinnung installiert werden. Bei der Konzeptionierung der k√ľnstlichen Beleuchtung ist die aus denkmalpflegerischer Sicht bedeutsame dunkle Holzbalkendecke zu ber√ľcksichtigen.

 


 

Befragung

 

Wie bewerteten Sch√ľler und Lehrer ihre Lernumwelt vor und nach der Sanierung?


Die Sch√ľler waren vor dem Umzug in das sanierte Geb√§ude an einem anderen Ort (Zittau) untergebracht. Im Vergleich zum vorherigen Schulgeb√§ude zeigten sich bei dem √ľberwiegenden Teil der Komfortaspekte sowohl aus Sicht der Sch√ľler als auch aus Sicht der Lehrer bessere Bewertungen im neu bezogenen sanierten Geb√§ude. Beim thermischen Komfort empfanden insbesondere die Lehrkr√§fte einen Unterschied durch deutlich angenehmere Temperaturen in den Klassenzimmern w√§hrend der Sommermonate. Auch die akustischen Bedingungen bewerteten die Lehrer im sanierten Geb√§ude besser als im vorherigen Geb√§ude. Die Lage des sanierten Geb√§udes f√ľhrte zu geringerer L√§rmbel√§stigung. Sch√ľler wie Lehrer gaben in der schriftlichen Befragung an, sich insgesamt in der neuen Umgebung wohler zu f√ľhlen; das Geb√§ude gef√§llt deutlich besser als die fr√ľhere Schule. In den Gruppendiskussionen mit Sch√ľlern, Lehrern und Elternvertretern wurde einhellig best√§tigt, dass das sanierte Geb√§ude ein au√üerordentlich attraktives Erscheinungsbild aufweist.

 

 

befragung-irees

 

Beurteilung der Lernumwelt im Vorher-Nachher-Vergleich

 

Insgesamt best√§tigten die Lehrkr√§fte und Eltern in den Gruppendiskussionen dem sanierten Geb√§ude eine gelungene Eignung als Demonstrationsprojekt. Dies zeige auch die positive Resonanz von Besuchern und die wiederholte Wahl des Geb√§udes als passende Umgebung f√ľr Veranstaltungen.

 

 

Einbindung des Themas Energie in den Unterricht


Das Thema Energie war Gegenstand des Unterrichts: 80 % der Sch√ľler gaben in der Zweitbefragung an, sich mit dem Energiesparen allgemein besch√§ftigt zu haben. Das sind 20 % mehr als bei der Erstbefragung. Folgen des Energieverbrauchs und des Klimawandels wurden nach Angaben der Sch√ľler im neuen Geb√§ude seltener besprochen als in der alten Schule. 74 % der Sch√ľler gaben an, auf energietechnische Besonderheiten des sanierten Geb√§udes aufmerksam gemacht worden zu sein; 52 % berichteten, dass diese Besonderheiten im Unterricht behandelt wurden. An Messungen in der sanierten Schule waren die Sch√ľler nach eigenen Angaben nicht beteiligt; Messergebnisse aus dem Geb√§ude-Monitoring waren ihnen nicht bekannt. In der Gruppendiskussion merkten die Sch√ľler an, dass sie gern noch mehr √ľber das Energiekonzept h√∂ren m√∂chten und gerne den Heizungskeller besichtigen w√ľrden.

 

 

Stand:

Erstbefragung Gruppendiskussion Zweitbefragung
befragung diskussion befragung
haken haken haken

[‚ąö = abgeschlossen]

 

 

Zum Download bereit gestellt:

 

Ergebnisdarstellung der Sozialwissenschaftlichen Begleitforschung

pdf_punkt PDF-Datei, 568 KB

 

 

Messphase

 

Von April 2011 bis August 2014 erfolgte im Rahmen des Intensiv-Monitorings die Aufzeichnung der Messdaten sowohl zur Validierung des Energiekonzepts, als auch zur Bewertung der Behaglichkeit und zur Ermittlung des Nutzerverhaltens. Eine Teilmenge der erfassten Datenpunkte wird visualisiert, indem von einigen Klassenr√§umen der Verlauf der st√ľndlichen Mittelwerte der Raumlufttemperatur, der relativen Raumluftfeuchte und der CO2-Konzentration graphisch aufbereitet werden. Ferner sind die nutzfl√§chenbezogenen kumulierten End- und Prim√§renergieverbr√§uche f√ľr die ben√∂tigte Hilfsenergie und die Beheizung dargestellt. Die zus√§tzliche Ausgabe der Messdaten als Excel-Tabelle erm√∂glicht eine individuelle Pr√§sentation der Messdaten.

 

Visualisierung der Messdaten: daten.eneff-schule.de/Olbersdorf.aspx

 

 

 

 
© 2013
Fraunhofer-Institut für Bauphysik